Selftracking

Diese Woche ist mir jemand mit einem so called "Fitnessarmband" begegnet. Das ist so ein Gerät, mit dem man den Kalorienverbrauch irgendwie messen kann, und dann weiß, ob noch ein Burger mehr drin ist, oder eben nicht. Dieses selftracking, ständiges Überwachen des eigenen Körpers, diese Selbstoptimierung, empfinde ich im ersten Moment irgendwie als befremdlich. Kalorienverbauch alleine zählen reicht dann ja nicht, die logische Konseqenz ist, dass man auch anfängt die Kalorien zu zählen, die man zu sich nimmt, anfängt das Essen ab zu wiegen, und irgendwo da fängt es dann an, zwanghaft zu werden, und vor allem keinen Spaß mehr zu machen.

Ich vertrete den Standpunkt, dass Essen/Nahrung und Bewegung/Sport zwar wichtige Themen sind, denen man nicht zu wenig Aufmerksamkeit widmen sollte, aber eben auch nicht zu viel und zu zwanghaft. Wenn ich mich einigermaßen vernünftig und abwechslungsreich ernähre, einigermaßen Aktiv bin, und natürlich gesund bin, dann ist alles gut. Jede darüber hinaus gehende Optimierung, kaloriengenaues Zählen der Nahrungsaufnahme, und Sport treiben des Abnehmens willens, und nicht weil es Spaß macht, halte ich für Quatsch.

In vielen Fällen ist der Antrieb für diese Überwachung das Abnehmen. Wenn ich durch ein normales, wie oben beschriebenes Leben, nicht mit meinem Körper einverstanden bin, würde ich mich fragen, wessen Ansprüchen ich da genügen zu versuche, und ob der Aufwand und der Verzicht es wirklich wert ist.

Nicht dass wir uns hier jetzt falsch verstehen, ich bin ein großer Freund davon, viel Sport zu treiben, Sport oder sportliche Aktivitäten können gerne, oder sollten sogar, einen größeren Teil einnehmen. Aber sollte die Motivation dafür eben der Sport selber sein, die Freude an der Bewegung, das Steigern der Leistung, und nicht das Abnehmen. Der Antrieb sollte von innen kommen, weil ich etwas schaffen will, weil ich mich dann besser fühle, weil ich Spaß daran habe, und nicht weil mir eingetrichtert wurde, mein Körper sei irgendwie falsch. Sport und Essen ist Spaß, keine Qual, kein notwendiges Übel.

Doch, das ist natürlich auch nur die halbe Wahrheit. Ich habe auch ein Faible für Daten, und ich tracke mein Lauftraining ja "schon immer", nur ohne es irgendwie groß auszuwerten.
Und ich frage mich, ob es möglich ist, durch selftracking die Lebensqualität zu verbessern, und damit auch besser trainieren zu können, aber ohne irgendwie Zwanghaft zu werden, und ohne zuviel Zeit und Aufwand da rein stecken zu müssen.

Anfang des Jahres, während meiner Vorbereitung auf einen Marathon, meine ich eine starke Korrelation zwischen meinem Essen, und der Perfomance beim Training bemerkt zu haben, und wenn man "im Internet so liest", betätigen dass auch alle anderen. Nur, mir fehlen die Daten für mich, mit denen ich das nachvollziehen und bestätigen kann. Hier ist aber schon mal ein Ansatz, wo ich anfangen könnte, mich selber zu beobachten, um dann zu gucken wie es meine Lebensqualität beeinflusst. Denn wenn ich 80km in der Woche laufe, und mich dabei gut fühle, ist es ein starkens Indiz dafür, das es mir nicht all zu schlecht gehen kann. Andersrum merke ich auch Probleme recht schnell, denn spätestens beim langen Lauf am Wochenende machen die sich bemerkbar und ich muss mich durch das Training quälen.

Aber das würde ja schon wieder bedeuten, das Essen zu protokollieren, und wenn man da nicht auf passt kann es eben schnell auch den ganzen Spaß vom Essen nehmen. Ich will keine detailierten Auswertungen, denn die bedeuten auch, dass ich mir vorher beim Kochen genau die Mengen abwiegen muss, bei jeder Zutat die Makroverteilung aufschreiben, und dann meine Portionen messen muss. Nein, ohne mich! Essen ist immer auch ein Stück Lebensqualität und Genuss, und mit diesem ausmessen wird es auf reine Nahrungsaufnahme reduziert.

Aber, durch glücklichen Zufall bin ich diese Woche auf diesen Artikel gestolpert, und finde das Prinzip recht interessant. Nicht exakt protkollieren, sondern nur ganz grob in drei Stufen bewerten. Gut, eher so mittel, und schlecht.

Als kleines Selbstexperiment werde ich in der nächsten Zeit mal versuchen, nach diesem Prinzip ein paar wichtige Eckpunkte zu tracken. Vielleicht ergeben sich ja Muster und Erkenntnisse daraus, die mir helfen könnten.

Nicht dass ich jetzt große Probleme hätte, so im allgemeinen geht es mir schon gut, aber ich finde es trotzdem mal interessant.

Als Eckpunkte, die es sich Lohnt zu protokollieren, habe ich mir folgendes ausgesucht, denn ich denke sie geben einen guten Überblick über das allgemeine Empfinden ab:

  • Ernährung. Natürlich.
  • Schlaf. Ist sowohl ein wichtiger Faktor, als auch ein Zeichen.
  • Kaffee. Wichtig. Ich neige dazu, zu viel zu trinken, und ich glaube ich schlafe besser, wenn ich weniger trinke. Ganz aufhören mag ich aber auch nicht.
  • Alkohol. Erklärt sich wohl von selbst.
  • Training. Wie im Artikel oben beschrieben.

Damit sollte ich einen guten Überblick bekommen, wie es mit so geht, und vielleicht gewinne ich ja die ein oder andere Erkenntnis. Was genau bei den einzelnen Parameterns dann Gut, Mittel oder Schlecht zu bewerten ist, ist relativ schwammig, aber mir geht es ja auch eher um eine grobe Einschätzung, um Trends, und nicht um genaue Daten.

Große Überraschungen erwarte ich jetzt aber auch nicht. Bessere Ernährung, besserer Schlaf, weniger Kaffee, weniger Alkohol und bessere Performance, seien mir mal ehrlich, werden schon irgendwie zusammen hängen. Trotzdem, ich würde diese gefühlte Erkentniss gerne mal untermauern, und auch mal den Überblick haben, wie ich mich so schlage. Das ganze Tracking kostet mich jeden Tag keine 5 min, das sollte machbar sein. Ich muss halt nur dran denken.