KW 31

Und eine weitere Woche ist um, und wieder war der Konflikt im Gazastreifen eines der bestimmenden Themen in den Deutschen Medien, und wohl auch in den Köpfen. Es ist schon interessant, wie viel mehr Beachtung dieser Krieg bekommt, im Gegensatz zu all den anderen Konflikten auf der Welt. An manchen Stellen wird diese Fixierung auf Israel, auf die Kritik an Israel und der Israelischen Politik, die ja eben andersorts genau so angebracht wäre, als Antisemitismus ausgelegt. Ich vermute ein Teil davon ist auch ein simples Henne-Ei-Problem. Die Menschen wissen(tm) so viel, haben so viele Meinungen über den Krieg im Nahen Osten, weil die Medien so viel darüber berichten; die Medien berichten so prominent darüber, weil es die Leute interessiert.

Und ich merke es ja auch an mir selber. Die Berichte aus Israel schreien einen täglich an, aus Syrien oder dem Irak hört man wenig, wenn man nicht aktiv danach sucht. Und so kommt es dann, das die Aufregung in Deutschland groß ist, wenn Kinder im Gazastreifen sterben, und auf Demonstrationen in Deutschland "Kindermörder Israel" skandiert wird, wärend die Aufregung um ermordete Kinder in Syrien ausbleibt. Und ich selber kann und möchte mich dann eigentlich auch nicht mehr raushalten, wenn in Deutschland so offen antisemitische Parolen gerufen werden. Natürlich habe ich auch einen Standpunkt dazu, oder versuche zumindestens, eine Position zu finden, und auch auch ich schenke diesem Konflikt mehr Aufmerksamkeit als anderen.

Es gibt noch ein paar Punkte, die ich im Zusammehang mit dem Krieg in Gaza wichtig finde. Einmal ist es den Menschen da unten total egal, was wir hier bereden. Egal wie wir uns hier positionieren, weder löst es den Konflikt, noch ändert es sonstwie irgendwas da unten. Und deswegen sollten wir uns die Freiheit erlauben, viel offener über den Konflikt zu reden, als wir es jetzt tun, wohlwissend, dass es keine Konsequenzen haben wird. Wir sollten, und das ist mein zweiter Punkt, Menschen nicht verurteilen, nur weil sie sich irgendwie positionieren. Jemandem Antisemitismus vorwerfen ist manchmal zu einfach; in vielen fällen beruht die Meinung auf den Bildern aus den Medien, wenn jemand Bilder von zerbombten Schulen und toten Kindern sieht, ist es vielleicht menschlich, Israel als Aggressor zu sehen. In solchen Fällen ist Aufklärung wichtiger als Vorwürfe. Ich glaube vielen Menschen ist einfach nicht bewußt, wie massiv Israel von allen Seiten bedroht wird, und dass es von der Landkarte verschwindet, wenn sie sich nicht zur wehr setzten.
Und drittens sollten wir in der Diskussion rund um diesen Konflikt eine strikte Trennung zwischen dem was da unten passiert ziehen und dem was hier passiert. Eben weil es denen dort unten nicht hilft, ist es wichtig hier in Deutschland ganz klar Flagge gegen Antisemitismus zu zeigen. Egal was die Israelische Armee tut, egal ob man die Maßnahmen gerechtfertig empfindet, oder als zu hart, natürlich kann man darüber diskuttieren, ob der ein oder andere Einsatz so oder so besser wäre; aber nie, nie darf das dazu führen, das in Deutschland (oder sonstwo) lebende Juden sich nicht sicher fühlen, das Synagogen angefriffen werden.

Auch wenn es vielleicht so interpretiert werden könnte, will ich "den Medien an sich" aber auch nicht eine Schuld an dem Meidnungsbild in Deutschland zuschanzen. Wie schwierig die Berichterstattung über den Konflikt ist, zeigt dieser Artikel sehr eindrucksvoll.

Und jetzt habe ich schon wieder so viel über diesen einen Konflikt geschrieben, und mache mich damit mitschuldig an der Überrepresentation. Deswegen reiche ich schnell noch ein paar andere Themen hinterher, die auch letzte Woche an mir vorbei geflogen sind.

Da wären einmal versprengte Überreste der ehemaligen Piratenpartei, die sich zu dem Thema Diskriminierungsfreier Sprache sehr gut äußern:

Stattdessen nur eine einzige Frage stellen, die am Ende übrig bleibt: Will ich dazu beitragen, dass Diskriminierung durch Sprache vermindert und im besten Fall verhindert wird oder nicht? Nun gibt es darauf drei Antworten:

  • Nein.
  • Sprache diskriminiert nicht.
  • Ja.

Die Progressive Plattform hat sich für Ja entschieden.

Das finde ich nachahmungswert.

Dann gab es noch eine schöne Erinnerung daran, wie viele Spuren unseres Lebens wir heutzutage hinterlassen, durch so simple Aktionen wie die Benutzung eines Smartphones.

Zum Schluss dann noch ein Link, mit dem ich mich ein wenig schwer tue. Nicht mal inhaltlich, die Dekonstruktion der faulen Ausreden halte ich im Großteil sogar für gelungene Gedankenasntöße. Doch kommt es von religöser Seite, was das ganze natürlich problematisch macht. Deswegen will ich das ausdrücklich als Gedankenanstöße verstanden wissen, die auch unbedingt kritsich zu betrachten sind.