Vortrag "Tiere sind keine Ware. Ethische Gründe für ein Ende der Nutztierhaltung"

Gestern habe ich mir den im Rahmen der Veganen Woche Münster gehaltenen Vortrag Vortrag "Tiere sind keine Ware. Ethische Gründe für ein Ende der Nutztierhaltung" von Dr. Friederike Schmitz angesehen.

Fast müsste ich dazu schreiben, dass ich den Vortrag leider gesehen habe, denn die Frau Dr. Schmitz hat es geschafft, dieses sehr komplexe und auch diskussionswürdige Thema, sehr oberflächlich zu behandeln, so das mir da kaum etwas neues oder interessantes geboten wurde. Das mag jetzt durchaus auch an dem Rahmen gelegen haben, denn in der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass sie sehr wohl eine sehr viel tiefer gehende und ausgereiftere Meinung zu dem Thema hat.

Sie hat das ganze auf eine sehr simple logische Art behandelt, die vielleicht gerade dazu in der Lage ist, den Status Quo kritisch zu sehen, oder Gedankenanstöße zu liefern, auch mal Fragen zu stellen. Eine tiefer gehende Analyse fand leider nicht statt, war dort vielleicht auch gar nicht angedacht, hätte ich mir aber gewünscht. Das Buch Artgerecht ist nur die Freiheit von Hilal Sezgin bietet da viel mehr Stoff.

Trotzdem will ich zu drei Prämissen bzw. Argumente, die in dem Vortrag verwendet wurden, um die Argumentation auf zu bauen, noch eine Anmerkung los werden, denn diese wurden so sehr zusammen gedampft, dass sie eben auch sehr leicht angreifbar sind.

1. Tiere wollen nicht leiden/sterben: klar, hört sich erst einmal toll an, und ist bestimmt auch wahr. Nur wenn das als Argument gegen die Nutztierhaltung angewendet wird, kann als simpelstes Gegenargument angeführt werden, dass ja gerade das freie Leben Leid und Tod bedeutet. Im Oostvaardersplassen, wo Großwild die Möglichkeit des freien Lebens gegeben wird, verhungern jeden Winter unzählige Tiere, was eben großes Leiden bedeutet. Mit diesem Argument könnte man jetzt auf die Idee eines Vertrages kommen, dass die Tiere im Gegenzug zu einem leidfreien Leben (immer genug Futter, Schutz vor Fressfeinden) ihr Fleisch hergeben, so wie der Menschliche Arbeiter seine Arbeitskraft hergibt.

Auch kann man sich fragen, ob die Selektion durch einen Züchter schlimmer ist, als natürliche Selektion. Oder ist es in beiden Fällen einfach nur survival of the fittest, nur sind die Kriterien, wer jetzt der Fitteste ist, eben andere.

2. Wir akzeptieren die Bedürfnisse nicht zu leiden oder zu sterben beim Menschen, aber nicht beim Tier: Hier suggeriert sie eine Grenze, die so klar wie sie scheint, gar nicht existiert. Sie selber hat das Beispiel mit Haustieren gebracht, denen viele Menschen eine enorme Aufmerksamkeit schenken, und viel Energie dazu aufwenden, ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Auf der anderen Seite gibt es auch genug Beispiele, so werden zum Beispiel haufenweise Menschen von anderen Menschen an den Außengrenzen der EU abgewiesen (oder zurückgeprügelt), wo wir sie einem leidvollen Leben ausliefern.

Viele Menschen sind bereit, für ihren Wohlstand, für ihren Luxus, über Leichen zu gehen, und unterscheiden dabei nicht zwischen Tier und Mensch.

3. Das ist Speziesismus: Sie benutzt den Hinweis auf Speziesismus als Gegenargument auf die Aussage "Das sind doch nur Tiere", was ich für völlig unbrauchbar halte. Natürlich ist es Speziesismus, das ist aber eine Beobachtung, eine Zuschreibung, und kein Argument. Ein Argument wäre es, dar zu legen, warum Speziesismus falsch ist.


Ich möchte damit jetzt weder ihren Vortrag schlecht machen, noch für Nutztierhaltung Argumentieren, sondern nur exemplarisch zeigen, dass einfache Argumente, so gut sie auch klingen mögen, nicht unbedingt hilfreich sind. Wir (als Gesellschaft) fangen gerade an, dieses Thema zu diskutieren, was hochspannend ist, aber einfach Argumente bringen uns da nicht weiter.


Durch den Vortrag verpasst habe ich die Sendung 37 Grad - unser täglich Tier, die werde ich bei Gelegenheit noch mal nachholen.