37°

Gestern habe ich es nach der (wieder einmal) wundervollen Anstalt nicht schnell genug geschafft, den Fernseher aus zu schalten, und habe dann bei dem Vorspann der folgenden Sendung 37 Grad gedacht, dass das ja eigentlich ganz interessant seien könnte.

Einsatzbereit, kompromisslos und mit einer Menge Durchhaltevermögen: 37 Grad hat sich auf die Suche gemacht nach jungen Menschen, die im besten Sinne radikal sind. Aleksandra setzt sich mit Körper und Seele für eine vegane Lebensweise ein, Oliver legt sich mit dem amerikanischen Geheimdienst an, und Christoffer lebt für seine Idee der "Essbaren Stadt". Drei Beispiele, die zeigen: Es gibt sie weiterhin, junge Menschen, die für ihre Ideen kämpfen. Mit Phantasie, trickreich und ziemlich vergnügt.

Vegane Lebensweise, Urbanes Leben neu denken und die Kritik an Überwachungsmaßnahmen, das sind jetzt alles Themen, mit denen ich mich schon identifizieren kann.

Wir haben es dann ca 15 schmerzhafte Minuten ausgehalten, bis wir den Fernseher ausmachen mussten. Das war ja grauenhaft. Warum muss sinnvolles und nötiges Engagement, und sinnvolle und nötige Kritik, unbedingt in solcher Weise gezeigt werden? Es ist zu wichtig, die ständige Überwachung zu hinterfragen und Alternativen auf zu zeigen, da können wir es nicht solchen antiamerikanischen Verschwörungstheoretikern überlassen. Es ist zu wichtig, unser Leben im Urbanen Raum neu zu denken, das können wir nicht den Yoga-Hüpfern überlassen. Und ich bin mir ziemlich sicher, eine Vegane Lebensweise wird nicht sonderlich durch Mädchen die weinend im Kuhstall sitzen gefördert.

Dabei kann ich jetzt gar nicht sagen, ob es die gezeigten Menschen an sich, oder die Inszenierung war. So viel überflüssiges überdramatisieren, welches ganz klar unterstellt, dass diese Menschen anders sind, wo sich Ottonormalmensch gut von distanzieren kann. Die Art und Weise, wie diese Menschen dargestellt wurden, bietet eben genug Raum, sich über die Menschen auf zu regen (so wie ich es hier tue), und sich nicht mit den Gedanken dahinter auseinandersetzen zu müssen.

Ich glaube was mich selber am meisten aufregt, ist es, dass alle drei Beispiele Ziele verfolgen, die ich selber auch vertrete, ich mich aber so gar nicht mit diesen Vertretern und dieser Inszenierung identifizieren kann. Natürlich gehören solche Menschen in Gruppen und Bewegungen, die Diversität fordern und fördern nicht nur dazu, sie bereichern sie. Nur muss ich in Diskussionen um diese Themen dann immer wieder erst klarstellen, dass ich eben nicht weinend in Kuhställen sitze, dass ich nicht mit Bäumen kuschel, und das ich nicht die USA als das Böse ansehe. Und das ermüdet.

Die Diskussionen um diese Themen (und ein paar andere) sind schon sehr emotional Aufgeladen, und ich bin mir nicht sicher, ob das so gut ist.