Hühnersuppe

So lange man als Veganer gesund ist, ist ja alles gut. Doch, trotz unser veganen Superpower werden auch wir mal krank, und liegen mit einer dicken Erkältung im Bett. Und dann fängt der Spaß an, denn dann muss man sich von Verwandten und Bekannten, die es alle nur gut meinen, anhören, warum man denn keine Hühnerbrühe wolle.

Das mit den Tieren und so ist ja schön und gut, aber es geht hier um deine Gesundheit! Hühnerbrühe hilft dir schnell wieder auf die Beine. Das habe ich schon von meiner Großmutter bekommen, und das hat immer geholfen. Jetzt mach doch mal eine Ausnahme.

So hört man sie singen.

Und neben der Tatsache, dass einem gerade ganz andere Sachen durch den Kopf gehen (Schnodder zum Beispiel), und man mit ganz anderen Sachen beschäftigt ist (Husten zum Beispiel), steckt man ja auch in der argumentativen Defensive. Kaum jemand der für die Hühnerbrühe als Medizin argumentiert, setzt sich intensiv mit der Wirkung auseinander, es reicht dass es ein altes Hausmittel ist, welches früher schon gewirkt hat. Lehnt man es ab, muss man weit tiefer in die Materie einsteigen, und genauer begründen, welche Inhaltsstoffe die Tiersuppe so wertvoll für die Genesung machen (wenn überhaupt), und darlegen aus welchen Quellen sie alternativ bezogen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass solche Diskussion ja mit Menschen geführt werden, die einem nahe stehen, die einem helfen wollen, und die sich sorgen machen. Es geht also vor allem auch darum, deren Sorgen zu beseitigen.

Also, was macht eine Hühnersuppe eigentlich so besonders? Wenn ich dem Internet (und den dort veröffentlichten Zusammenfassungen von Studien der Universität Nebraska) glauben schenken kann, kommt die Wirkung vor allem daher:

  • Die Hitze hindert die temperaturempflindlichen Schnupfenviren zu bekämpfen
  • Durch den heißen Dampf werden die Schleimhäute befeuchtet, was den Abfluss des Sektrets aus den Atemwegen fördert.
  • Der Eiweißstoff Cystein wirkt entzündungshemmend und abschwellend
  • Zink hilft, das Cystein besonders gut auf zu nehmen

Und das stellt eine Veganerin jetzt wirklich nicht vor Probleme. Hitze und Dampf bekommt man auch bei Gemüsebrühe, Cystein von Vollkornbrot/Nudeln oder Sojaprodukten (unter anderem), und Zink kommt eigentlich überall drin vor. Dazu noch ein paar Paranüsse für die Selenversorgung, einen grünen Smoothie, viel Gemüse und Obst, gute Fette, und die Sache ist geritzt.

Und durchstehen muss man eine Erkältung so oder so.

Wenn man den Anspruch hat, sich Vegan und Gesund zu ernähren, scheint mir Highfive-Vegan übrigens eine gute Quelle zu sein, mit der ich mich auch mal ein wenig genauer auseinander setzen könnte.


Den Witz, das Hühnesuppe bei Erkältungsviren nicht wirkt, weil Antibiotika nur bei Bakterien wirken, spare ich mir an dieser Stelle mal.