Jurassic Park, Bombenalarm und Evolution

Als wir gestern Nacht zum runter kommen vom dem leichten Sonnenstich so ein wenig durch das TV-Programm zappten, blieben wir bei Jurassic Park II hängen. Da war gerade eine Szene, wo der T-Rex mitten durch das Lager der schlafenden Gruppe stapft, und eigentlich nichts passiert wäre, wenn nicht einer aufgewacht wäre, angefangen hätten zu schreien, alle davon aufwachen und ebenfalls anfangen zu schreien, eine große Panik ausbricht, alle wild durcheinander laufen und der T-Rex genüsslich einen nach dem anderen verspeisen kann.
Natürlich dachten wir: was für Trottel! Wären sie nicht in Panik ausgebrochen, wäre nix passiert, der Dino wäre weiter gelaufen und alle hätten überlebt. Es könnte so einfach sein, wenn Menschen einfach mal ihr Hirn anschalten würden, bevor sie in Panik ausbrechen.

Aber, wenn man mal die reale Welt betrachten, neigen Menschen ja schon zu Panikreaktionen, das Verhalten der Menschen im Film ist schon gut nachvollziehbar und realistisch. Wir haben den Reflex in uns, erst einmal los zu laufen, am bestens schreiend, bevor wir das Gehirn einschalten, im Laufe der Evolution entwickelt, es schien ein Überlebensvorteil zu sein.

Und jetzt wird es interessant: in heutigen Katastrophenszenarien, bei Bombenalarm während Live-Sendungen oder Amokläufen in Schulen, wird alles daran gesetzt, diesen über Jahrmillion als Überlebensvorteil angeeigneten Reflex, zu unterdrücken. Es wird alles dafür getan, dass die Menschen eben nicht in Panik ausbrechen, ihrer Natur widersprechend.

Wie kann eine Strategie, die den Menschen das Überleben gesichert hat, so falsch sein, dass sie aktiv versucht wird, zu unterdrücken?

Mein Erklärungsversuch, welcher stark von den Büchern von Richard Dawkins beeinflusst ist, sieht so aus:

Es handelt sich bei der Evolution nicht um eine Evolution der Arten, auch nicht um eine Evolution der Gruppen oder gar der Individuen, sondern um eine Evolution der Gene. Diese Gene Mutieren zufällig, und wenn diese Mutation einen Vorteil bringt1, kann diese Mutation sich durch die Weitergabe ausbreiten. Simple as that.

Stellen wir uns vor, wir haben eine Gruppe Menschen, die friedlich grasend über die Prärie zieht, als plötzlich ein Säbelzahntiger angreift. Das vorherrschende Verhalten in dieser speziellen Gruppe, welches durch die Gene so programmiert wurde, ist es, ruhig zu bleiben, und sich dem ST in überlegter Strategie entgegen zu stellen. Dadurch werden ein oder zwei Tiere getötet oder schwer verwundet, aber der Großteil der Gruppe überlebt. Tolle Strategie. Wenn da nicht der eine Menschen mir der Mutation wäre, die ihn veranlasst erst einmal das weite zu suchen. Dieser ist nämlich der eine unter der Gruppe, welcher mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht zu den Opfer zählt, denn während alle anderen Kämpfen ist er schon hinter dem nächsten Baum. Seine Überlebenswahrscheinlichkeit ist höher, und damit auch die Wahrscheinlichkeit, die Gene weiter zu geben. Und dieser Vorteil, sei er auch noch so gering, setzt sich über die Jahrtausende durch, durch das simple Werkzeug der höheren Wahrscheinlichkeit, das eben dieses Individuum sich fortpflanzt, auch wenn es für die Gruppe gesehen eine bessere Strategie gäbe.dem Fall

Im entgegengesetzten Fall, wenn das vorherrschende Verhalten die Flucht ist, aber durch Mutation ein (oder wenige) Exemplare versuchen, erst das Hirn zu benutzen und eine bessere Strategie zu finden, ist es noch einfacher. Wo im ersten Fall durch den Zusammenhalt der ganze Gruppe eine Übermacht gegen den Fressfeind gebildet werden konnte, steht der eine Mensch jetzt alleine da, und wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit seine Gene nicht mehr weiter geben können.

Es gibt natürlich auch Gegenbeispiele. Ameisen und Bienen sind dafür bekannt, sich selbstmörderisch in den Tod zu stürzen bei dem Versuch, einen angreifenden Feind zu bekämpfen. Wie kann das zu dieser Erklärung passen? Auch ganz einfach: bei diesen Arten gibt nur ein Exemplar die Gene weiter, und die hat eben einen Vorteil davon, wenn die Anderen sich opfern für ihr Überleben.

  1. Genauer: diese Mutation in dieser Genkombination. Ein Gen für Fluchtverhalten in einer Gen-Gruppe die ein Raubtier beschreibt, könnte sich wohl schlechter durchsetzen als dieses Gen in einer Gruppe welches ein Opfer eines Raubtiers beschreibt.