Norderney

Irgendwie fühlt es sich merkwürdig an, zu sagen, ich habe Urlaub auf Norderney gemacht. In meinen Vorurteilen machen dort nur Rentner oder Familien mit kleinen Kindern Urlaub, und ich gehöre in keine der beiden Gruppen.

Nach den zwei Wochen dort kann ich jetzt sagen: Diese beiden Gruppen sind wirklich stark vertreten dort, und trotzdem gab es auch eine Nische für Menschen wie mich, und ich hatte eine wirklich tolle Zeit. Es kommt ja auch immer darauf an, was man von einer Reise erwartet, und das hat bei uns dieses mal wirklich gepasst, da wir beide keinen Abenteuerurlaub wollten, sondern einfach mal ein wenig ausspannen. Und dafür ist es da oben an der See genau richtig.

Und auch wenn das ganze kein großes Abenteuer war, gibt es ein paar Sachen über Norderney und unser Leben in einem Wohnwagen dort zu berichten.

Vegan auf Norderney: Geht! Bei der Vorbereitung hatte ich diesen tollen Artikel gefunden, aber im Endeffekt waren wir in keinem der dort aufgeührten Läden (außer natürlich den Supermärkten). Dafür waren wir sogar zweimal im Tartufolo wirklich lecker essen, wo mir mit meinen Sonderwünschen auch gut geholfen wurde. Eine ganz besondere Empfehlung ist auch das Bittersüß, wo die auch etwas mit dem Begriff Vegan anfangen können, und wo sie teilweise auch veganen Kuchen und Pralinen haben.
Verglichen mit anderen Städten mit 6000 Einwohneren kommt man als Veganer in Norderney wirklich gut zurecht, da braucht man keine Angst zu haben.

Fahrradfahren auf Norderney: Natürlich macht es auf so einer Insel total Sinn, aber ich muss trotzdem noch einmal extra betonen, wie sehr ich mich darüber gefreut habe, so viele Menschen Fahrrad fahren und eine Infrastruktur die dafür ausgelegt ist zu sehen. Vor den Supermäkrten ist mehr Platz für Fahrräder zum Abstellen als für Autos, und auch bei Regen sind viel Menschen mit dem Rad unterwegs. So wünsche ich mir das auch für andere Städte auf dem Festland.

Laufen auf Norderney: Es gibt ein Laufwege-Netz mit Strecken von 5km bis 22km Länge, die größtenteils sehr gut markiert und ausgebaut sind. Und die komplette Nordseite ist ein Strand, der sich natürlich auch zum Laufen nutzen lässt. Viel mehr kann so eine Insel mit dem begrenzen Platz und einseitigen (aber tollen!) Landschaft uns Läufern eigentlich nicht bieten, und man sieht auch wirklich viele Menschen die diese Möglichkeiten nutzen.

Wandern auf Norderney: Na ja, Wandern ist vielleicht hoch gegriffen, aber es viele Wege die man gut spazieren kann. Das einzige, was sich vielleicht als Wandern bezeichnen lässt, ist die Strecke zum Schiffswrack am Ostende der Insel, bei der einem auch ein lustiges Gefälle in der Infrastruktur bewußt seien sollte. Gibt es im Westen noch gut ausgebaute Wege und jede paar Meter eine Bank, einen Unterstand, Wegweise und anfangs sogar Toiletten, ändert sich das je weiter man nach Osten kommt gewaltig. Wir hatten uns von den Eindrücken der Westseite täuschen lassen, und wollten ausgerechnet an dem einzigen Tag, an dem wir noch andere Termine hatten, mal eben mit dem Rad an das Ostende fahren. Leider endet der Radweg 5km vor dem Ende, und man muss sich zu fuß einen Weg suchen, der schlecht makiert ist, und durch den Sandigen Boden auch wenig ausgetreten ist. Ein großes Problem oder Abenteuer ist das jetzt auch nicht, aber man braucht halt Zeit, die wir in diesem Fall leider nicht hatten, und deswegen diese Tour noch mal wiederholen müssen.
Deswegen merken: Geht zum Ostende, aber nehmt euch dafür Zeit, und vielleicht auch ne Flasche Wasser und nen Apfel mit.

Leben im Wohnwagen: Das ist jetzt nicht speziell Norderney, aber ich musste feststellen, dass mir dieses reduzierte, einfache Leben in einem Wohnwagen sehr gut gefällt. Im Unterschied zum Campen im Zelt hat das ja doch etwas mehr von wohnen, und ich konnte mir gut vorstellen, wie es ist auch längere Zeit auf so einfache Art zu leben. Und die Vorstellung gefällt mir sehr gut.

Schlussbemerkungen:

Hin kommt man zur Insel übrigens wunderbar mit der Bahn und Fähre, auf der Insel fährt man nur Fahrrad. Was nachhaltiges Reisen angeht bietet das viele Möglichkeiten, von denen wir auch möglichst viele genutzt haben.

Was mir immer wieder auffällt ist der Mangel an Weite, den eine Großstadt bietet, und wie sehr ich diese Weite aufsauge, sobald ich am Meer oder in der Bergen bin.