Kommentar #Landesverrat

Gestern wurde bekannt, dass gegen die Betreiber von netzpolitik.org wegen Landesverrat ermittelt wird. So viel zu dem Thema selber kann ich gar nicht sagen, da ich da nicht tief drin stecke und auch über keine Juristische Expertise verfüge. Ich finde es aber extrem gut, wie viele (die meisten?) (alle?) Medienhäuser und Journalisten sich mit netpolitik.org solidarisieren, und ich bin geneigt mich dieser Auffassung, dass das nämlich ein Angriff auf die Pressefreiheit ist, an zu schließen.

Auch in den sozialen Medien, bei Twitter und Facebook, ist es das heiße Thema, und nahezu jeder solidarisiert sich mit netzpolitik.org. Eine Welle an Aufrufen zu Unterstützung, und gleichzeitig eine Welle gegen den Generalbundesanwalt...


Und da werde ich jetzt stutzig. Denn so sehr ich diese Solidarität auch begrüße, von einigen der Menschen, die sich jetzt die Finger wund schreiben und tweeten und posten was sie von der ganzen Sache halten, haben vor gar nicht all zu langer Zeit ganz ähnliche Phänomene noch als Shitstorm verurteilt. Ich erinnere mich noch gut an die Reaktionen einiger Techies auf die Welle der Empörung die Brendan Eich mit seinem homophoben Verhalten verursacht hat. Auch die #Aufschrei Kampagne, die sich gegen den alltäglichen Sexismus gewendet hat, wurde von Menschen belächelt oder runter geredet, als Shitstorm (und damit Inhaltsleer) diffamiert, die jetzt nicht müde werden ins Internet zu schreiben was sie von Range und seinen Ermittlungen halten.


Jetzt ist es wohl nicht weiter verwunderlich, dass technik- und internetaffine, heterosexuelle, weiße, mittelstands-Männer sich dem aktuellen Thema näher fühlen, als wenn Homosexuelle oder Frauen versuchen, für ihre Sache durch das Internet Aufmerksamkeit erzeugen.

Aber ich würde es begrüßen, wenn ein paar Leute sich jetzt mal Gedanken machen und erkennen, dass auch die aktuellen Reaktionen eine Art Shitstorm sind, dass es darum geht einer Sache Gehör zu verschaffen, dass es Situationen gibt, in der das bessere Argument alleine eben nicht reicht, weil zum Beispiel ein krasses Machtgefälle herrscht. Und das man auch anderen zugestehen muss, dieses Mittel einzusetzen. Ich muss mich nicht mit allem und jedem solidarisieren, aber ich muss anderen zugestehen, dass sie es machen, und das sie ihrer Solidarität Ausdruck verleihen. Und am besten wäre es, das Wort Shitstorm komplett zu streichen, es ist ein Kampfbegriff gegen die Solidarität.