Bargeld nervt ...

Bargeld nervt ... und das wird auch der Grund sein, warum sich, früher oder später, wenn entsprechende nicht-nervende Alternativen verfügbar sind, das Bargeld verschwinden wird.

Was mir nicht gefällt.

Menschen sind faul, und es werden sich die komfortableren Lösungen leichter durchsetzen, aber das bedeutet nicht, dass diese Lösungen auch besser sind. Es gibt Themen, bei denen es richtiger wäre, den anstrengenden, nervenden, unkomfortablen Weg zu gehen, weil er uns zwingt, achtsamer zu sein.

Bei dem Bezahlen merke ich es, wenn ich in Gegenden unterwegs bin, wo Kreditkarten das gängige Zahlungsmittel sind. Der Bezahlvorgang wird zum Automatismus, und schon beim verlassen des Cafés habe ich vergessen, wie viel Dollar der Kaffee jetzt noch mal gekostet hat, ich bin emotional viel weiter von dem Geld und dem Betrag entfernt. Dieses nervige Bargeld zwingt mich, genau auf den Betrag zu achten.

Aber Geld ist nicht das einzige Gebiet, wo einfach nicht immer besser ist. Es ist zum Beispiel sehr angenehm, Produkte von Google zu nutzen, und Konkurrenten werden es immer schwer haben, den Google kennt uns so genau, dass es unsere Bedürfnisse immer ein Stückchen besser erfüllen kann. Natürlich kennen sie uns nur so genau, weil sie so viele Daten sammeln und unser (Surf-)Verhalten Analysieren. Und so sehr wir die Sammelwut auch missbilligen, wir landen doch wieder bei Google, einfach weil es so komfortabel ist. Das hier das andere Produkt, was vielleicht ein wenig mehr Eigeninitiative, einen Klick mehr erfordert die bessere Wahl wäre, gerät in Vergessenheit.

Ein weiteres großes Beispiel ist die Demokratie. Oft wird gefordert, sie müsse beschleunigt werden, Entscheidungsprozesse müssen vereinfacht werden. Dabei wird übersehen, dass die Behäbigkeit auch eine Stärke seien kann. Angemessene Reaktionen und Entscheidungen brauchen Zeit um zu reifen, diese Behäbigkeit bringt auch Sicherheit, Verlässlichkeit und Stabilität. Je einfacher es wird, Änderungen durch zu setzen, um so instabiler wird das System.

Abkürzungen, Abstraktionen und Hilfen machen einiges vielleicht angenehmer, aber sie verringern auch die Komplexität, verstecken oder entfernen Möglichkeiten .

Gegen Wiederstände zu kämpfen, hilft einem zu verstehen, wie wichtig einem etwas ist, und es hilft, unkontrollierte Kurzschlussreaktionen zu vermeiden.


Ein weiterer Vorteil von Bargeld ist dessen Anonymität und Unkontrollierbarkeit. Wenn ich 100 EUR in der Hand habe, habe ich 100 EUR, und kann sie einsetzen wofür ich will. Wenn ich an die aktuellen Hartz-4 Regularien denke, ist es doch nur Folgerichtig, dass einem Hartz-4-Empänger die Verwendung der Leistungen vorgeschrieben wird, wenn Bargeldloses Zahlen da ist.

Sorry, für Alkoholische Getränke und Süßigkeiten können sie ihr Guthaben leider nicht verwenden.

Es ist dann auch kein Problem mehr, die Ausgaben nach zu vollziehen, und entsprechend zu kürzen, wenn zu viele unsinnige Ausgaben gemacht werden.


Ich plädiere für die bessere Lösung, nicht für die einfachere und komfortablere. Manchmal mag sich das überschneiden, ist aber nicht zwingend. Das Design, das Userinterface, kann uns an vielen Stellen Helfen und Unterstützen, und da ist das Bargeld schon sehr gut. Nicht perfekt, ich würde mir wünschen kein Münzgeld zu haben, aber es ist schon sehr gut.